Design of Experiment (DoE) als beschleunigendes Element
Entwicklung 2 · Stufe 1 – Hypothese · konzeptuell ausgearbeitet
Die Grundidee
DoE dreht die Kommunikationslogik der BK um. Bisher setzt die BK darauf, Bewusstsein durch Beteiligung zu erzeugen. DoE stellt das auf den Kopf: Erst wird im Kleinen erprobt – dann wird die Frage gestellt: „Warum machen wir das nicht überall so?"
| Dimension | Betriebskatalyse bisher | Betriebskatalyse + DoE |
|---|---|---|
| Ausgangspunkt | Beteiligung schafft Bewusstsein | Experiment liefert Wirkungserkenntnis |
| Prozess | Themen verstehen, Lösungen entwickeln | Idee im Kleinen testen → Wirkung prüfen → skalieren oder verwerfen |
| Kommunikation in die Org | „Lasst uns gemeinsam verstehen" | „Wir haben es ausprobiert – seht selbst, es wirkt" |
| Frage an die Organisation | „Wer möchte sich an einer Lösung beteiligen?" | „Warum skalieren wir diese nachgewiesene Lösung nicht?" |
| Ergebnis | Organisation wächst über Bewusstsein | Organisation wächst über Wirkung |
Weitere Effekte von DoE in der BK
- Beschleunigung: Die Zeit von Hypothese zu Entscheidung sinkt deutlich.
- Klarheit: Meinungsdiskussionen werden durch Beobachtung realer Effekte ersetzt.
- Verbindlichkeit: Ideen, die im Experiment keine Wirkung zeigen, werden verworfen – ohne großes Organisationsgespräch.
- Kulturwandel: Die Organisation lernt, dass nicht alle Ideen durchgehen – nur die, die Wirkung zeigen.
Was macht ein sinnvolles Experiment aus?
Ein sinnvolles BK-Experiment ist immer ein End-to-End-Experiment: Es wird kein Teilaspekt eines Prozesses betrachtet, sondern ein Abschnitt, der zu einem messbaren oder wahrnehmbaren Ergebnis führt.
Konkretes Beispiel am Reklamationsprozess (drei Gruppen):
Gruppe 1 – Nullgruppe
Weiter wie bisher. Dient als Vergleichsbasis. Ohne Nullgruppe gibt es keine Aussage über Wirkung.
Gruppe 2 – Zu kurz gesprungen (häufiger Fehler)
Mitarbeitende nutzen ein neues Reklamationsformular und dokumentieren. Kein vollständiges DoE – es endet zu früh, bevor ein messbares Ergebnis erreicht wird.
Gruppe 3 – Echtes End-to-End-Experiment
Neues Formular → daraus entsteht ein Auftrag an jemanden in der Firma, den Reklamationsgrund zu untersuchen → Untersuchung findet statt → Ergebnis: Änderung nötig oder nicht → wenn ja: Änderung wird umgesetzt → gemessen wird, ob diese Reklamation nicht mehr so vorkommt.
← Das ist das vollständige DoE.
DoE-Prinzipien in der BK
- Kleine, funktionsübergreifende Teams testen eine Idee in einer End-to-End-Story (von Hypothese bis Wirkung im Markt).
- Messbare Kriterien immer aus Kundensicht: Geschwindigkeit, Qualität, positive Umsatzentwicklung.
- „Schlechteversion als Prinzip": Lieber eine schnelle, unperfekte Lösung im Markt testen als in internen Perfektionsschleifen verharren.
- Ergebnisdokumentation: Jede Hypothese führt zu einem realen Test, Ergebnisse werden festgehalten und iteriert.
Wer verantwortet die Experimente?
Jede:r Mitarbeitende kann Experimente starten. Wer ein Experiment startet, verantwortet es auch. Das ist eine direkte Verlängerung des BK-Grundprinzips: Selbstverantwortung statt Delegation nach oben.
Wie verhält sich DoE zur BK-Aussage „Entscheidungen mit den Betroffenen"?
Das ist eine Konfliktfläche – aber lösbar. DoE dreht den Kommunikationsmechanismus um: Statt Betroffene zunächst für ein Thema zu sensibilisieren, werden sie nach dem Experiment gefragt: „Warum machen wir das nicht durchgängig so?" Die Betroffenen können jetzt Widerstände einbringen und erklären, warum das Ergebnis in dieser Form nicht skalierbar ist.
Der Unterschied: Die Betroffenen kommen an einem anderen Punkt im Prozess – ausgestattet mit einer zusätzlichen Erkenntnis. Das soll ihren Entscheidungs- und Entwicklungsprozess beschleunigen. Das ist die These von DoE.
Verbindung zum BK-Dreiklang
Für die Verbindung zwischen DoE und den VW7-Fragen → gilt: DoE ist der notwendige erste Schritt, wenn die Antworten auf Wofür, Wie und Warum noch nicht evidenzbasiert gegeben werden können.