Losverfahren als Beteiligungsmodell
Entwicklung 1 · Stufe 1 – Hypothese · noch nicht erprobt
Das Ausgangsproblem
Die Betriebskatalyse setzt in ihrer bisherigen Form auf Freiwilligkeit: Betroffene werden identifiziert, wer möchte, beteiligt sich an der Lösungserarbeitung – die Lösung gilt aber für alle.
In der Praxis zeigen sich zwei Probleme:
- Elitenbildung: Immer dieselben Menschen beteiligen sich. Dadurch entsteht eine neue „Gestalter-Elite" – eine neue Form der Über- und Unterordnung, die der BK-Logik widerspricht.
- Distanzierung: Menschen, die sich nicht beteiligen, entfernen sich vom Konzept der Betriebskatalyse. Die Lücke zwischen Gestaltern und Nicht-Gestaltern vergrößert sich.
Das betrifft auch Betriebskatalysator:innen selbst: Es bildet sich kein Nachwuchs, es gibt keine Rotation.
Die neue Idee: Losverfahren
Statt nur auf Freiwilligkeit zu setzen, werden Mitarbeitende für bestimmte Themen gelost und sind aufgrund ihres Arbeitsvertrags zur Teilnahme verpflichtet. Das klingt zunächst nach einem Widerspruch zur BK-Logik – ist es aber nicht.
Grundprinzipien des Losverfahrens in der BK:
- Zunächst klären: Wer ist von diesem Thema tatsächlich betroffen? (→ VW7-Fragen)
- Aus dem Pool der Betroffenen wird eine Mindestmenge per Losverfahren verpflichtend ausgewählt.
- Alle weiteren Betroffenen sind zusätzlich eingeladen – freiwillige Beteiligung bleibt erhalten.
- Rotation sorgt automatisch für Nachwuchs bei Betriebskatalysator:innen.
Dreiphasenmodell
| Aspekt | Phase 0: Hierarchie | Phase 1: BK Freiwilligkeit | Phase 2: BK Losverfahren |
|---|---|---|---|
| Teilnahme | Wenige bestimmen, viele führen aus | Betroffene, die wollen, gestalten | Geloste Mindestmenge (Pflicht) + Einladung an alle weiteren Betroffenen |
| Motivation | Extrinsisch: Gehorsam | Intrinsisch: Selbstwirksamkeit | Kollektiv: geteilte Verantwortung |
| Macht | Stabile Über-/Unterordnung | Erste Auflösung, aber Gestalter-Elite möglich | Strukturelle Gleichstellung |
| Kompetenzaufbau | Führungsebene | Freiwillige | Rotation = alle |
| Fairness | Oben bestimmt | Fair für Engagierte, Distanz für andere | Losung = fair & gleich |
| Katalysator:innen | Definierte Führungskräfte | Freiwillige übernehmen | Rotation bringt Nachwuchs |
Wann ist eine BK-Implementierung reif für Phase 2?
Das lässt sich nicht exakt definieren, aber es gibt einen klaren Hinweis: Die freiwillige Beteiligung lässt nach.
Das passiert, nachdem die betriebskatalytischen Prozesse bereits Wirkung gezeigt haben – also Veränderungen wurden tatsächlich umgesetzt (das ist Voraussetzung). Dann entsteht irgendwann eine Sättigung der freiwilligen Beteiligung: Die Motivation, sich immer wieder freiwillig einzubringen, nimmt ab, obwohl die Inhalte nach wie vor relevant sind. Dieser Punkt – nicht ein festes Datum oder eine Kennzahl – ist das Signal für den Übergang zu Phase 2.
Ist Pflicht mit dem BK-Geist vereinbar?
Ja – als Kombination aus Pflicht und Freiwilligkeit. Die VW7-Fragen definieren den Pool der Betroffenen. Aus diesem Pool wird eine Mindestmenge per Losverfahren verpflichtend ausgewählt. Alle weiteren Betroffenen sind zusätzlich eingeladen, freiwillig teilzunehmen. Diese Kombination ist BK-kompatibel.
Quelle: Timo Rieg, Podcast „Machtlos" (aleatorische Demokratie), machtlos.net
Noch offene Frage
Was ist mit „Vorbereitung der Katalysator:innen im Losverfahren" gemeint? Diese Frage muss präzisiert werden – Gebhard versteht sie in der bisherigen Formulierung nicht. Die Klärung steht noch aus.